Der Begriff „nachhaltige Ernährungssysteme“ findet sowohl in Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zunehmend Verwendung. Er betont die systemischen Zusammenhänge zwischen Agrarproduktion, Ökologie und gesellschaftlichem Ernährungsverhalten. Um Ernährungssysteme nachhaltiger zu gestalten, müssen Produktion, Verarbeitung, Vermarktung und Konsum von Lebensmitteln zusammengedacht und die systemischen Zusammenhänge konsequent berücksichtigt werden.

Von gesellschaftlicher Seite werden komplexe Nachhaltigkeitsansprüche an die Landwirtschaft und die Lebensmittelbranche gestellt. Dazu gehören ein nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen, Engagement im Bereich Tierwohl, Maßnahmen für den Klimaschutz, der Erhalt vielfältiger Landschaften, Transparenz und nicht zuletzt die Produktion von gesunden Lebensmitteln. Diesen Ansprüchen gerecht zu werden und dabei innerhalb der EU und auf global integrierten Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben, ist eine Herausforderung. Darüber hinaus werden die Auswirkungen von Ernährung auf Gesundheit und die gesellschaftlichen Kosten fehlerhafter Ernährungsmuster diskutiert.

Die Wissenschaft kann Wissen über die Nachhaltigkeit von Ernährungssystemen und das Zusammenspiel zwischen Agrar- und Ernährungspolitik generieren, und basierend hierauf Steuerungskonzepte erarbeiten. Weiterhin kann die Wissenschaft dazu beitragen, die Diskussion zwischen Gesellschaft und Agrarsektor zu strukturieren. Im Rahmen von FoodBerlin arbeiten wir interdisziplinär zu den folgenden Themenfeldern:

  • Kommunikation und Dialog

Die gesellschaftlichen Ansprüche an nachhaltige Ernährungssysteme müssen formuliert und mit den Realitäten insbesondere der gängigen Agrarsysteme konfrontiert werden. Wie am Beispiel der gesellschaftlichen Diskussion um die Nutztierhaltung ersichtlich, ist ein intensiver Dialog zwischen Gesellschaft, dem landwirtschaftlichen Berufsstand und weiteren Akteuren des Sektors erforderlich, um gesellschaftlich akzeptierte, aber auch wirtschaftlich und sozial umsetzbare Zukunftspfade für den Agrarsektor zu entwickeln.

  • Rahmenbedingungen für nachhaltige Ernährungssysteme

Die Umsetzung gesellschaftlicher Nachhaltigkeitsansprüche erfordert neben ihrer Operationalisierung auch die Entwicklung von Steuerungs- und Finanzierungs-strategien. Dies ist eine zentrale Herausforderung, weil die internationale Handelsintegration der Agrar- und Ernährungswirtschaft die Finanzierung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen ausschließlich über den Markt kaum ermöglicht.

Vorhandene Expertise: Spannungsfeld Gesellschaft – Landwirtschaft, Tierwohl, EU-Agrarpolitik, Internationaler Agrarhandel, Multifunktionale Landwirtschaft, Agrarpolitische Akteure, Entwicklung von Simulationsmodellen für die Analyse wirtschaftlicher und ländlicher Entwicklung, Diskursanalyse, Food Governance, Transformation

Präsentationen des Symposiums
„Wohin und wie steuern wir unsere Agrar- und Ernährungssysteme?“ vom 22. Februar 2018 >Link

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Harald Grethe
Internationaler Agrarhandel und Entwicklung, HU Berlin

Prof. Dr. Peter Feindt
Agrar- und Ernährungspolitik, HU Berlin