Das Konsortium „Intensive agrarische Produktionssysteme“ konzentriert sich auf Produktionsformen mit hoher Wertschöpfung pro Flächeneinheit und hochgradig kontrollierten Produktionsbedingungen. Angepasst an die jeweiligen ökologischen und sozialen Bedingungen werden produktionstechnische Systeme gekoppelt, um die Erzeugung von Nahrungs- bzw. Futtermitteln nachhaltig auszurichten und resilient gegenüber technischen Störungen und durch Klimawandel bedingten Umwelteinflüssen zu machen. Als Beispiel kann die Kombination von Fischzucht und Gemüseproduktion im geschlossenen Kreisläufen („Aquaponik“) gelten.

Die in der Entwicklung befindlichen Systeme eignen sich vorwiegend für urbane und periurbane Räume oder Industriegebiete mit hohen Synergiemöglichkeiten bezüglich der Verbindung von Stoffkreisläufen (Wasser, Nährstoffe, CO2-Senken), aber auch für ländliche Gebiete oder Extremstandorte wie z. B. Wüstengebiete. Wichtig sind Erfassung und Optimierung von Stoffkreisläufen durch Sensoren, Modellierung von Abläufen und gezielte Steuerung. Auf diese Weise lassen sich höchste Produktions- und Wertschöpfungsdichten auf für den übrigen Landbau ungeeigneten Flächen erzielen. Die intensive Produktion erlaubt, Produkte ressourcenschonend und mit nur minimalem CO2-Ausstoß in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers in den Konsum zu bringen.  Durch Kombination von Produktionsrichtungen lassen sich dabei hohe Synergieeffekte erzielen. Im Konsortium wird als nächster Schritt die Kombination von Insektenzucht, Fischzucht und Pflanzenproduktion erprobt, bei der auf jeder Stufe Nahrungsmittel für den menschlichen Verzehr sowie Nährstoffe für die nächsthöhere Trophiestufe erzeugt werden. Die Nahrungsmittelproduktion erfolgt dabei in standardisierten, stapelbaren, und miteinander kommunizierenden Modulen, die in ihren Dimensionen genormten ISO-Containern entsprechen. Dadurch lässt sich intensive Produktion ohne Zusatzstoffe, ohne Emissionen und ohne Abfallstoffe erreichen.

Über die eigentlichen Erzeugungsverfahren hinausgehend bearbeitet ein Teil des Konsortiums die wichtigen Bereiche der Governance (Zusammenspiel zwischen privatwirtschaftlichen und politischen Akteuren) und der gesellschaftlichen Akzeptanz moderner Produktionsweisen. Damit erfolgt auch eine Abschätzung von Bewertung, Marktmechanismen und Akzeptanz von Produkten in Zusammenarbeit mit Praxispartnern und Verbrauchern.

Vorhandene Expertise: Ionensensitive Sensoren, Aquaponische Produktionssysteme, Insektenzucht, Pflanzenbau unter kontrollierten und geschlossenen Bedingungen, Chemische Ökologie, „Controlled Ecological Life Support Systems“, Nacherntequalität, volatile Energiesysteme.

Juni 2018 - Großprojekt für intensive Produktionssysteme bewilligt
Für Forschung zur Produktion von Lebensmitteln in geschlossenen Systemen hat das BMBF einem Konsortium von 25 Gruppen unter der Führung von Prof. Christian Ulrichs das Großprojekt CUBES Circle bewilligt. Es wird ein Baukastensystem von Containern entwickelt, in denen die Produktion von Insekten, Fischen und Pflanzen miteinander verknüpft wird.Weitere Informationen: www.cubescircle.de

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Christian Ulrich
Fachgebiet Urbane Ökophysiologie der Pflanzen, HU Berlin

Prof. Dr. Uwe Schmidt
Fachgebiet Biosystemtechnik, HU Berlin